Weniger ist mehr – Das Nähzimmer

Wirklich, ich weiß nicht wie das passieren konnte…. Aber eines schönen Tages – alle übrigen Familienmitglieder waren außer Haus – nahm ich mir vor, ein bisschen Ordnung ins Arbeitszimmer zu bringen. Es sah schon lange sehr chaotisch aus (es sah übrigens nicht nur so aus…..). Mein Mann arbeitet ja hauptsächlich im Homeoffice und ich hatte schon ein sehr schlechtes Gewissen, dass er quasi in einer Rumpelkammer sitzen und sich da irgendwie konzentrieren muss. Nun ist er glücklicherweise Informatiker und schaut von daher sowieso meistens auf seine Bildschirme, Laptop und PC usw. *lach* Trotzdem!

Also bin ich ziemlich unlustig in den Raum des Schreckens gegangen. Ich möchte dazu sagen, dass ich dort immer mal wieder nach der 5-Minuten-Raumrettung-Methode geräumt habe. Und es gibt eine gewisse Grundordnung; an der Basis wenigstens, die allerdings sehr weit unten zu suchen war. Seufz.

Also bitte festhalten (für alle, die zart besaitet sind und Horror- und Schreckensbilder nicht so gut ertragen können: bitte Augen zu halten und weiter scrollen…):

DAS ist der ungeschönte Anblick unseres Arbeitszimmers BEVOR ich an diesem schönen Herbsttag im Oktober das Zimmer aufgeräumt habe…

Zur Orientierung: Ich habe die Schande aus mehreren Blickwinkeln fotografiert. Ich benutze einen großen Schreibtisch in diesem Raum, auf dem sehr viel Zeugs lagert. Leider steht dieser Schreibtisch direkt am Eingang des Zimmers. Das bedeutet, dass alles, was keinen Platz hat – aber irgendwie ins DG gehört – oder auch die Dinge, die man nicht direkt wegräumen möchte, auf diesem Tisch landen. Entsprechend rümpelt der Tisch immer wieder zu.

Meine Basisgrundordnung, die wie gesagt ziemlich weit unten irgendwo existiert, sieht im Groben so aus, dass ich z. B. eine Jerseykiste habe, eine für Sweatstoffe usw. Aber für die Webware habe ich gaaanz viele Kisten. Die habe ich nach Farben sortiert (weiß, grün, blau, gelb/rot/orange, braun/schwarz usw). Dann gibt es noch eine Kiste für Herrenhemden (Upcycling),, eine für Hosen (Upcycling), eine für Jeanshosen (Upcycling) und Jeansmeterware etc. Leider ist es jedoch in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dass ich was gesucht und die Kisten danach nicht wieder ordentlich eingeräumt habe. Grundsätzlich komme ich mit dem Kistensystem klar. Ich finde es in dem Fall auch gut, dass es durchsichtige Plastikkisten sind, da ich dann auf einen Blick erkennen kann, was sich darin befindet. Aber wie gesagt, es war überall was drauf gelagert, die Kisten quollen über usw.

Ich habe den ersten Reflex der Fluchtergreifung überwunden und habe mich dem Endgegner gestellt. Und, was soll ich sagen, „Flylady“ sei Dank habe ich stoisch einfach nur eine Kiste nach der anderen ausgekippt, Staub weg gesaugt, den Inhalt gesichtet, entrümpelt und wieder einsortiert. Einfach nicht nachdenken über das große Ganze, sondern Stück für Stück abarbeiten. Zwischendurch habe ich etwas getrunken und gesnackt und dann ging es weiter. So habe ich es doch tatsächlich geschafft, an einem Tag das Ganze Chaos zu beseitigen, Staub zu saugen, Staub zu wischen und zu putzen! Ich war total fertig danach aber auch absolut überrascht, dass es nur einen Tag gedauert hat. Ich glaube, das liegt wirklich daran, dass es diese gewisse Grundordnung schon gegeben hat. Weil so so viel gegangen ist und ich nicht alles gezählt habe, möchte ich nur einen groben Überblick geben, von den Dingen, die ich verabschiedet habe:

Im Einzelnen verabschiedet habe ich aus dem Nähzimmer:

2 x Schaumstoff

9 Tücher

14 Gardinenhaken

2 Babyschals

Cocktailkleid

4 Kopkissenhüllen

1 Gardine

4 Deckchen/Läufer

1 Moltontuch

7 Stofftaschentücher

4 Jacken

1 Hose

2 Kleider

13 Blusen/Oberteile

3 x Bügelflicken

Diverse Stoffreste und unbrauchbare Upcyclingklamotten (3 Säcke).

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71 Teile

Zusammengerechnet habe ich also in diesem Jahr bislang 840 Teile aussortiert.

Teilweise gingen Sachen in den Müll bzw. die Recyclingkiste für Stoffe. Ein großer Teil wird zum Sozialkaufhaus verabschiedet und manches wurde auch verkauft.

Und das war dann das Ergebnis:

DAS tat sooooo gut! Das war so ein richtiger Befreiungsschlag. Und ich habe mir ganz ganz ganz fest vorgenommen, diese Ordnung beizubehalten. Ab sofort ist es VERBOTEN!!!! Dinge, die irgendwo im DG verräumt werden müssen, auf meinem Schreibtisch abzulagern! Wir haben ja unser bewährtes Treppensystem: Alles was in eine andere Etage gehört, wird auf der Treppe zu dieser entsprechenden Etage gelagert und bei nächster Gelegenheit mitgenommen und direkt weg geräumt. Wenn man also keine Zeit/Lust/sonstwas hat,die Dinge wegzuräumen, bleiben sie auf der Treppe liegen, damit nicht neue Hotspots gebildet werden. Das klappt nun seit zwei Wochen sehr gut. Ich denke mittlerweile, dass es oft darauf ankommt, Gewohnheiten zu ändern. Im Grunde handelt es sich ja nur um Verhaltensregeln, die erprobt und, wenn sie sich bewährt haben, eingeführt werden. Früher habe ich solche Sätze gesagt/gedacht wie: ich kann keine Ordnung halte usw. Damit habe ich mir aber im Grunde jede Chance genommen, etwas zu verändern. Denn, sind wir mal ehrlich, Ordnung halten ist kein Charakterzug, sondern ein erlernbares Verhalten. Dummerweise besteht dieses Verhalten jedoch aus vielen kleinen Gewohnheiten, Ordnungsregeln usw. Es gibt nicht den einen Weg oder das eine Verhalten und „Zack!“ ist es immer und stets aufgeräumt. Es gibt viele verschiedene Kategorien, unterschiedliche Situationen (Wohnung/WG-Zimmer/Haus, solo, zu zweit, mit mehreren Personen, Tiere oder auch nicht usw. usf.), die einen vor unterschiedliche Herausforderungen stellen. Und so versuche ich nach und nach einzelne Verhaltensweisen, die dafür sorgen, dass Unordnung herrscht, zu ändern in Gewohnheiten, die dafür sorgen, dass Ordnung herrscht. Das Entrümpeln erleichtert es meiner Meinung nach sehr, Ordnung zu halten.

Natürlich verlinke ich diesen Beitrag voller Stolz bei Elke/Valomea und ihrer Aktion Weniger ist mehr – 1000 Teile raus!

Weniger ist mehr – Das Nähzimmer
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Ein Gedanke zu „Weniger ist mehr – Das Nähzimmer

  • 19. Oktober 2022 um 20:40
    Permalink

    Da kannst Du wirklich stolz sein!!! So was ist ein Befreiungsschlag, der hoffentlich Nachhaltigkeit nach sich zieht. Hier ist es das Bügelbrett, das immer gleich nach der Tür die Berge auf sich zieht… Und das Nähzimmer ist der Ort, wo alles reingepfeffert wird, was irgendwo in der Wohnung zu viel ist. Da gibt es bei uns auch noch jede Menge Gewohnheiten umzutrainieren!
    Ich staune, dass Du das an einem Tag geschafft hast. Mir kommt das Nähzimmer immer wie ein kleines Monster vor, das sich mit Händen und Füßen sträubt… *grins*
    Bleib weiter dran!
    Elke

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