Entrümple ich noch oder minimalisiere ich schon?

Alles begann Anfang 2018…. Ich war auf eigenen Wunsch beurlaubt und mir ging schon seit Monaten (Jahren?) der Zustand unseres Hausstandes auf den Keks. Ich hatte eigentlich mein ganzes Leben schon immer regelmäßig meine Sachen aussortiert, so dass Umzüge immer recht flott bewältigt waren. Und auch unser bisher letzter Umzug Anfang 2016 in unser erstes eigenes Haus war schnell erledigt; obwohl dass der Umfangreichste war, den ich bisher hatte. Naja, ist ja auch einleuchtend… mit 2 Kindern… Und dann passierten Dinge, die man nicht vorhersehen kann… Unfälle, die mich richtig zurück warfen. Da gab es andere Prioritäten. Zwei kleine Kinder, Job, mehrere Knie-Operationen, Rehas etc.

Aber war ja kein Problem. Ich hatte ja nun frei und konnte loslegen. Und das tat ich denn auch. Aber dieses Mal so richtig, weil ja so viel liegen geblieben war. Systematisch habe ich Raum für Raum, Schrank für Schrank umgekrempelt und aussortiert, verkauft, gespendet, weggeworfen… In dieser intensiven Ausmistzeit nannte mich mein Mann liebevoll „meine Fräse“. Und wie eine Fräse so ist, wühlt sie doch so Einiges auf. Auch im Inneren. Ich fing an, mich mit dem Trendthema Minimalismus zu beschäftigen und dieser Blog wurde eröffnet, allerdings mit dem Hauptthema Nähen. Aber eben auch mit dem Nebenthema Minimalismus.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass der Begriff nicht so richtig passt, denn eigentlich habe ich ja nur entrümpelt. Dennoch beließ ich es bei diesem Schlagwort und machte weiter. Und ich las auch weiter. Und ich machte mir auch sehr sehr viele Gedanken dazu. Und ich veränderte mich.

Ich fing an, meinen Konsum zu hinterfragen. Dazu möchte ich sagen, dass ich ja nie die Shoppingqueen war. Trends ließen mich ziemlich kalt. Ich hatte dadurch leider immer das Gefühl, dass es mir an Weiblichkeit fehlt. Denn ist es nicht das Bild einer Frau, dass sie shoppt, die Haare macht, sich schminkt etc.? Das war noch nie mein Ding. Ich schweife ab…

Also, ich fing an, meinen Konsum zu hinterfragen. Ich fing wieder verstärkt an, mich um die Umwelt zu sorgen. Und ich war ja nun auch ein Vorbild für meine Kinder oder sollte es zumindest sein.

Und dann passierten so einige Dinge gleichzeitig und teilweise Hand in Hand. Ich habe angefangen, meine Käufe vorher noch mehr abzuwägen, die ersten Schränke wurden leer. Ich fing an, immer mehr Müll und Plastik zu vermeiden. Und zum Schluss fing ich sogar ENDLICH an, abzunehmen.

Warum fällt mir das schwer und passiert nicht von alleine? Ich denke, Besitz gibt Sicherheit. Was man hat, das hat man. Wer weiß, welche Krise irgendwann kommen wird und dann werde ich mich ärgern, nichts mehr zu haben usw. Ist natürlich Quatsch. Ich kann ja schließlich nicht vorhersehen, welche Art von Krise kommen wird und was dann benötigt wird. Brauche ich Nahrung, Wärme, Wasser etc. oder muss ich sogar flüchten? Dann bringt mir mein Besitz nüscht. Ich schweife schon wieder ab…

Jedenfalls fing ich an, mich an leere Räume, Schränke usw. zu gewöhnen. Es fing an, mir Spaß zu machen. Und wie bei einer Zwiebel, kam ich Schicht für Schicht weiter Richtung Kern. Ich behaupte nicht, dass ich bereits am Kern angelangt bin. Bei weitem nicht. Aber es ist schon so, dass mein Mann und ich uns hier und da scherzhaft fragen, wann wir denn Tisch und Stühle abgeben, wir können doch genauso gut auf dem Boden sitzen. Machen andere Kulturen schließlich auch. Spaß beiseite. 😉

Mir ist klar, dass ich zum „wirklichen“ Minimalisten nicht tauge. Ich behaupte aber, dass ich die Schwelle zum Minimalismus bereist überschritten habe. Falls es denn die eine Schwelle überhaupt gibt. Ich denke, das passiert eher schleichend. Ich frage mich mittlerweile bei vielen Dingen, brauch ich das wirklich?! Und damit meine ich, dass ich festgestellt habe, dass ich manche Dinge nur benutze, weil sie eben da sind und ich dies oder jenes immer schon damit gemacht habe. Ein Beispiel: wie sicher in vielen Haushalten, so gab es auch bei uns einen 10l-Putzeimer und einen 5l-Putzeimer. Außerdem kleinere und größere Waschschüsseln. Eine Waschschüssel habe ich immer benutzt, um meine essigsaure Tonerde anzumischen, bei entzündeten Insektenstichen. Ähm, hä? Ich habe sooo viele andere Schüsseln. essigsaure Tonerde ist nicht giftig und färbt nicht. Warum benutze ich nicht einfach eine andere Schüssel? Brauche ich einen kleinen Eimer, wenn ich doch auch den großen Eimer einfach zur Hälfte füllen kann? Wäre das nicht sogar praktischer? Und an solchen Punkten finde ich, hört das normale Ausmisten auf und fängt Minimalismus an. Ausmisten oder Entrümpeln verbinde ich damit, dass ich beispielsweise ungeliebte oder kaputte Kleidung aus dem Haus schaffe. Oder die Kleidung, die den Kindern nicht mehr passt. Oder ich miste einige meiner Nähzeitschriften aus oder gebe ein paar Bücher weg oder so.

Aber z. B. die Kaffeemaschine herzugeben, weil wir keinen Kaffee trinken und ich für Gäste löslichen Kaffee gekauft habe und bei Geburtstagen einfach einen Kaffeetrinker bitte, mir als Geschenk eine Kanne Kaffee für die Gäste zu spendieren, das ist meiner Meinung nach schon grenzwertig. Hihi, diese Aktion hat auch ziemlich viel Staub aufgewirbelt! Meine Güte, beim Thema Kaffee verstehen viele dann keinen Spaß mehr. Als sie aber festgestellt haben, dass man meine Kuchen nach wie vor genießen kann und der lösliche Kaffee ja doch gar nicht so schlecht ist und bei Geburtstagen der mitgebrachte Kaffee meistens gar nicht komplett ausgetrunken wird, da beruhigten sich die Gemüter.

Mir geht es gerade um das Thema Umdenken oder Perspektive wechseln. Nur, weil „jeder Haushalt so ein XXX besitzen sollte“, muss es ja nichts innvoll sein, oder?

Heute war wieder so ein Schlüsselmoment. Oder sollte ich sagen Schüssel-Moment? 😉 Schon länger brodelte es in mir, was meine Plastikvorratsdosen anbelangt. Dieses ganze Mikroplastikzeugs, würg… Es war mir schon lange ein Dorn im Auge. Daher habe ich auch schon seit Urzeiten Gläser von Konserven, Marmeladen etc. aufgehoben. Teilweise habe ich darin auch schon Dinge eingefroren oder bevorratet. Dennoch wurde viel in Plastiktüten oder Plastikdosen eingefroren. Nun habe ich auch letztens noch Glasvorratsbehälter gekauft, in denen man auch größere Mengen einfrieren kann. Die haben zwar auch einen Plastikdeckel aber es ist schon mal eine Stufe weniger Plastik. Gefriertüten benutze ich eh kaum noch. Aber heute hat´s mich gepackt! Eine meiner Töchter hatte in der Schule eine Geschichte zum Plastikmüll in den Meeren gelesen. Daraufhin bin ich mit den Kindern in die Küche gegangen und wir haben fast alle Plastikbehälter in einen Karton gepackt. Ausnahmen sind die Brotdosen, die wir gerne für unterwegs benutzen. Aus allen Winkeln der Wohnung haben wir Plastikdosen hervor gekramt. Der Karton mit den Vorratsdosen wird in den Keller wandern. Und wenn in den nächsten Monaten kein Bedarf besteht, dann werden auch diese Sachen verkauft/verschenkt!

Im Zuge dessen habe ich z. B. auch überlegt, ob ich wirklich eine große und eine kleine Rührschüssel mit Spritzschutz brauche… Ich habe ja auch noch von unserem Keramik-Essgeschirr Schüsseln in verschiedenen Größen. Und in Backvideos sieht man die Leute sogar in Glasschüsseln mixen. Wobei mir da der Spritzschutz fehlen würde… Aber unsere Rührschüsseln aus Plastik sind am Boden schon reichlich verschrabbelt. Da lösen sich doch auch Plastikpartikel, die wir dann im Essen haben. Mahlzeit!

Ich denke, ich werde mich bald um eine plastikfreie Alternative kümmern. Dann kommen auch diese unsäglichen Plastikrührschüsseln weg.

Dennoch nenne ich mich nicht Minimalistin. Ich behalte schon einige Dinge, die ich benutze und versuche jetzt nicht auf Biegen und Brechen zu minimisieren. Die Spülmaschine bleibt! Und auch der Herd mit den vier Kochplatten! Und die Waschmaschine…..

Aber mein Aussortieren geht meiner Meinung nach mittlerweile schon über das herkömmliche Entrümpeln hinaus. Also, entrümple ich nicht nicht mehr, sondern ich minimalisiere. Und damit macht das Schlagwort für mich jetzt auch einen Sinn. Als hätte ich es geahnt… 🙂

Entrümple ich noch oder minimalisiere ich schon?
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