Die nachhaltigste Art zu Nähen

Nähen sei nachhaltig, sagen viele Menschen. Ich kann das nur teilweise bestätigen, denn es kommt darauf an. Wie so oft, ist das WIE entscheidend, meiner Meinung nach. 🙂

Wenn ich mir ständig neue Stoffe kaufe, dabei nicht darauf achte, welche Qualität diese haben und sie dann nicht vernähe, ist das wohl nicht so wirklich nachhaltig, hüstel. Besser ist es dann schon, wenn ich sie wenigstens vernähe. Naja, und so kann man das immer weiter spinnen. Stoffe in Bioqualität sind schon mal besser, aus Naturfasern sowieso. Gebrauchte Stoffe nutzen oder Reststücke von anderen, ist auch nachhaltiger…

Aber heute habe ich wieder Näharbeiten erledigt, die in meinen Augen am nachhaltigsten sind. Ich habe eine total unbeliebte und ungeliebte Tätigkeit ausgeübt: Ich habe Kleidung geflickt! Brrrr! Bähähähäääää! Ständig scheue ich davor zurück. Obwohl es dann letztlich doch relativ schnell geht. Aber jedesmal diese Umfädelei, ggf. Auftrennen von Nähten; und dann überzeugt mich das Resultat meistens nicht, weil es eben geflickt ist und nicht schön neu.

Trotzdem versuche ich so nach und nach meinen Reparaturstapel abzubauen. Nach unserem hausinternen Umzug – dem Tauschen von Kinder- und Arbeitszimmer – habe ich mal u. a. eine richtige Bestandsaufnahme meiner gesamten Nähsachen (Stoffe, Vliese, Garne, Knöpfe usw. usf.) gemacht. Nur für mich, also ohne es schriftlich festzuhalten oder so. Ich habe tagelang aussortiert, umsortiert usw. Keine schöne Arbeit aber es war dringend notwendig!! Dann gab es die Ufo-Kiste und den Korb mit den Reparatursachen, die ich nicht weiter anwachsen lassen wollte. Das habe ich tatsächlich geschafft.

Allerdings stapelten sich solche Sachen nun wieder etwas auf meinem „neuen“ Nähtisch in der Küche. Den Nähplatz hatten wir zu Beginn der Pandemie eingerichtet, damit ich auch zwischendurch mal eine schnelle Naht machen kann oder sogar ein neues Kleidungsstück und nicht extra dafür ins DG muss. Denn da ist ja jetzt das Arbeitszimmer. Da sitzt tagsüber mein Mann im Homeoffice. Und damit er dort seine Ruhe hat, bleiben die Kinder und ich die meiste Zeit unten. Das klappt prima.

Na, und heute war dann mal wieder so ein Moment: seit einigen Tagen geht mir der Reparaturstapel auf den Keks und auf einmal habe ich mich hingesetzt und angefangen. Und weil es so gut lief, habe ich auch direkt noch eine Hose aus dem „alten“ Korb im DG geholt. Das Ergebnis: zwei Hosen der Mädels können wieder genutzt werden (sogar rechtzeitig bevor sie zu klein werden…Huuust) und mein Mann hat wieder eine Jeans mehr im Schrank. Außerdem haben die Kinder wieder einen Pulli mehr, obwohl der jetzt schon wirklich knapp sitzt. Aber sie wollen ihn unbedingt noch tragen. 😉

Das Schönste daran finde ich, dass die Sachen der Kinder alle selbst genähte Teile sind, die ich nochmal flott gemacht habe.

Ich mag so geflicktes Zeug eigentlich nicht. Aber solange meine Kinder noch auf jeden verfügbaren Baum klettern (wir wohnen am Wald!!!) und sich im Schlamm wälzen, macht es auch nix aus, wenn die Sachen geflickt wurden. Und ich denke auch, dass die meisten Leute das gar nicht bemerken. Das merkt man ja eigentlich meistens nur selber. 😉

Und weil ich so im Schwung war, habe ich seit langem mal wieder vorher-nachher-Fotos gemacht. Und damit verlinke ich diesen Beitrag bei Valomea.

Die Hose meines Mannes… Ich habe ihm VERBOTEN, die Hose an den Gürtelschlaufen hochzuziehen beim Anziehen! 😉
ohne Worte…
Strike!
Kinderhose die Erste..
Nicht schön aber „in echt“ kaum zu sehen.
Kinderhose, die Zweite
Der Pulli… Wir müssen ein besonderes Nagetier im Schrank haben, denn die Kinder waren das natürlich NICHT!!
Neues Bündchen dran und fertig. Glücklicherweise hatte ich von dem Bündchenstoff noch etwas übrig. 🙂
Die nachhaltigste Art zu Nähen
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2 Gedanken zu „Die nachhaltigste Art zu Nähen

  • 28. Februar 2021 um 18:23
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    Liebe Tanni,
    Ich denke, es ist auch eine Änderung der Sichtweise nötig. Ich trage geflickte Sachen auch mit dem Bewussstsein, dass ich damit eine „gute Tat“ vollbracht habe. Deren muss ich mich nicht schämen. Ich finde sichtbaren Reparaturen können durchaus ihren Charme haben. Und Du hast das doch bei diesen Stücken gut hinbekommen!
    Kannste Dir auf die Schulter klopfen.
    LG
    Elke

    Antworten
    • 1. März 2021 um 8:12
      Permalink

      Liebe Elke. Danke für Dein Lob!
      Ich glaube, ich habe das in meinem Post zu hart formuliert… Ich repariere schon seit Kindertagen meine Kleidung selbst. Das ist selbstverständlich für mich!!
      In unserer Familie wird so viel wie möglich selbst gemacht, repariert usw. Das ist so selbstverständlich für uns, dass es bei uns zum Alltag gehört.

      In meinem Kopf gibt es aber den Grundsatz, dass es „ordentlich“ aussehen soll. Mir ist bewusst, wo das herkommt. Ich habe es nur noch nicht abgelegt. Es würde zu weit führen, das jetzt hier alles zu erzählen. Vielleicht mache ich dazu einen eigenen Blogpost…

      Jedenfalls wollte ich niemandem zu Nahe treten, zumal sich mein Perfektionismus nur auf MEINE Arbeiten bezieht. Bei Anderen sehe ich das gar nicht; im Gegenteil! Ich finde es toll wie fantasievoll oft Löcher geflickt, gestopft u. ä. werden. Hach, ich wünschte, ich könnte das auch so schön.

      Ich wünsche Dir und allen Mitreparierern/innen einen wunderschönen Tag.
      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Antworten

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